Die Kinderherde von
Heiliger
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Letzte Aktualisierung 26.08.2017
 

Die Geschichte der Kinderherde


Firmenlogo © Die Kinderherde der Firma Heiliger

Als die eisernen Herde in den bürgerlichen Küchen die gemauerten Kochstellen verdrängten, hielten die Miniatur-versionen auch in den Kinderzimmern Einzug. Diese Puppenherde erschienen erstmals im 18. Jahrhundert in den Prunkküchen des reichen Bürgertums und sind über alle Epochen hinweg bis zu den Plastikküchen von Barbie zu finden. Anfangs waren es nur Attrappen, an denen "die Puppen kochen" konnten. Die Herde, Geräte und Geschirre waren zu klein für "echte" Funktionen. Später wurden die Herde und das Zubehör grösser und funktionsfähig. Damit gaben diese kleinen Kochmaschinen den Mädchen die Möglichkeit eines anspruchsvollen Spiels (auch in technischer Hinsicht).

© Die Kinderherde der Firma Heiliger

Die grösseren, mit Spiritus, Esbit oder Kerzen befeuerten Kinderkochherde der ersten Jahre wurden später durch elektrische Geräte ersetzt, die zunächst nur mit einer oder zwei Kochstellen ausgestattet waren. Auf diesen Herden konnte der Nachwuchs mit passenden Töpfen und Pfannen brutzeln. Der erste elektrische Kinderkochherd wurde 1908 von Märklin auf den Markt gebracht. Es folgte eine Reihe von anderen Firmen wie Bing, Omega, Wagner, Rauco, Rauch und Heiliger.

Schon früh wurden die Heiliger Kinderherde als Werbemittel eingesetzt. Das nebenstehende Bild wurde vermutlich im Rahmen einer Werbemaßnahme des Rheinisch Westfälischen Elektrizitäts-werks (RWE) in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts aufgenommen. Das Bild zeigt einen der ersten von Heiliger produzierten Herde, den Typ V-H.

(Quelle: Historisches Konzernarchiv RWE, Fotograf: Kurt Hege, Essen)



Über viele Jahre hinweg (von 1956 bis 1994) wurden die Kinderherde der Firma Heiliger vom Arbeitsausschuß Kinderspiel + Spielzeug e.V. mit dem spiel gut Siegel ausgezeichnet. Viele der Herde tragen auch heute noch stolz den runden roten Aufkleber dieses Arbeitsausschusses.

Spiel Gut © Die Kinderherde der Firma Heiliger       Spiel Gut Urkunde © Die Kinderherde der Firma Heiliger

Ab 1994 war es damit vorbei. Nicht das die Kinderherde weniger gut geworden wären aber die Euro-Bürokratie (EU-Richtlinie für Spielzeugsicherheit) hatte zugeschlagen und die Kinderherde waren plötzlich kein Spielzeug mehr. Spielzeug herzustellen und zu verkaufen ist ziemlich schwer wenn das Spielzeug plötzlich keines mehr ist. Dieser Umstand hat sicher ebenso dazu beigetragen das die Fa. Heiliger in Schwierigkeiten kam, wie die irrwitzigen Kosten für die regelmäßigen VDE- und TÜV-Prüfungen.


Die Geschichte der Firma Heiliger


Seit geraumer Zeit versuchen wir nun, die Geschichte dieser Firma Heiliger von der Gründung bis zum Erlöschen zusammenzustellen. Leider ist uns das bislang nur sehr unvollständig gelungen. Folgende Daten sind nach derzeitigem Stand unserer Nachforschungen als gesichert anzusehen:

  • Gründung der Firma Lambert Heiliger oHG im Jahre 1946 oder 1947
  • Firmenstandort Eislingen an der Fils, Filsstraße (auf der Karte der blaue Punkt rechts)
  • Produktion von Reisebügeleisen
  • Umzug der Firma, neuer Standort ist Uhingen an der Fils (auf der Karte der blaue Punkt links). Das Unternehmen bezieht seinen Standort an der Stuttgarter Strasse 167.

Landkarte Uhingen/Eislingen © Die Kinderherde der Firma Heiliger Stadt Uhingen an der Fils Stadt Eislingenan der Fils

  • Produktion von diversen Küchenutensilien (Backformen, Ausstechformen, Backbleche, Grillroste, Küchenschürzen für Kinder, etc.)
  • Produktion batteriegetriebener Kindernähmaschinen
  • Produktion von Holzkohlengrill's
  • Neuer Eigentümer ab 1.1.1968 (möchte ungenannt bleiben)
  • Produktion von elektrischen Modellherden bis etwa 2003
  • Schliessung der Firma am 15.12.2003
  • Übernahme des gesamten Firmeninventars durch die Firma Käfer & Partner in Reutlingen.
  • Produktion und Vertrieb eines Heiliger Kinderherdes durch die Firma Käfer & Partner unter der Marke Glückskäfer.
  • Übergabe des Geschäftsbereichs Glückskäfer Spielzeug ab 1.7.2011 an die Firma nic Spiel + Art GmbH.

Der Firmengründer Lambert Heiliger wurde am 11.10.1910 in Düren im Rheinland geboren. Über Schule und Berufsausbildung ist uns derzeit noch nichts bekannt. Während und unmittelbar nach dem Krieg arbeitete er bei Daimler-Benz in Stuttgart-Untertürkheim. Danach hat er entweder bereits 1946 oder 1947 seine eigene Firma die "Lambert Heiliger oHG" gegründet. Das folgende Bild zeigt die Familie Heiliger im Jahre 1948. Lambert Heiliger ist damals 38 Jahre, seine Frau Gertrud 32 Jahre und die Tochter Christel ist 9 Jahre alt.

Die Familie Heiliger im Jahre 1948

Gertrud Heiliger war es auch, die das Gedicht an die Liebe kleine Köchin verfasst hat, daß auf vielen Herden im Deckel zu finden war (z.B. beim Herd Nummer 15).

 
   Liebe kleine Köchin !
   Damit Dein Herd Dir Freude macht,
   sei stets auf Sauberkeit bedacht !
   Lass Dir jedoch vor allem raten,
    sei's beim Kochen, Backen, Braten,
   mach es mit dem Strom auch richtig,
   denn das ist besonders wichtig !
   Eingeschaltet wird erst dann,
   wenn man fängt zu kochen an.
   Vergiss auch nie beizeiten auszuschalten,
   dann bleibt Dein Herd Dir lang erhalten.
 

Zwischen 1949 und 1966 hat Lambert Heiliger seine Produkte auf der Hannovermesse und der Nürnberger Spielwarenmesse präsentiert.

Von der Nürnberger Spielwarenmesse 1951 oder 1952 stammt das folgende Bild, daß den damaligen Bundesminister für Wirtschaft (und späteren Bundeskanzler) Ludwig Erhard (mit der unvermeidlichen Zigarre in der Hand) am Messestand der Firma Heliger zeigt. Auf dem Bild sind je zwei Herde des Typs V-H (Vollherd mit Backofen wie Herd Nummer 1) und T-H (Tischherd, ganz vorne und ganz hinten im Bild wie Herd Nummer 2) mit den entsprechenden Kochutensilien zu sehen. In der Bildmitte ist Gertrud Heiliger zu sehen.

Ludwig Erhard am Heiliger Messestand

Im August 1966 erkrankte Lambert Heiliger schwer und musste die Firma mitsamt dem Firmennamen zum 31.12.1967 verkaufen. Der Verkauf wurde dann im Jahre 1968 abgewickelt. Lambert Heiliger verstarb am 04.01.1976.

Unser besonderer Dank gilt Christel Burchard für die Bilder und diverse Hintergrundinformationen.

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